Die freundliche Wirtin

Krippenspiel für 9 Personen

Darsteller:
Josef (Mantel, Hut, Wanderstab)
Maria (Poncho, Tuch um den Kopf)
Wirt 1 (mit Schürze, kariertes Hemd)
Wirt 2 (edel gekleidet evtl. Anzug wie ein Empfangschef, ?Hosenträger?)
Wirtin 3 (normale Kleidung)
Hirte 1 (alter Kartoffelsack o.ä., Wanderstab oder –stock)
Hirte 2 (alter Kartoffelsack o.ä., Wanderstab oder –stock)
Hirte 3 (alter Kartoffelsack o.ä., Wanderstab oder –stock)
Engel (weißes Kleid oder Anzug)

Spiel:
Maria u. Josef wandern langsam. Sie sind müde.
Maria: Josef, ich kann nicht mehr. Ist es noch weit bis nach Bethlehem?
Josef: Ach Maria, es kann nicht mehr sehr lange dauern bis wir da sind.
Maria: Josef, die Beine sind mir so schwer.
Josef: Ach Maria, ich weiß. Aber wir müssen uns beeilen, sonst müssen
            wir noch eine Nacht unter freiem Himmel schlafen.
Maria: Nicht noch eine Nacht. Die Letzte habe ich schon kaum geschlafen.
            Ich hatte solch eine Angst vor den Wölfen in den Wäldern und den
           Schlangen auf dem Boden. Hoffentlich finden wir eine saubere
           Herberge, die uns aufnimmt.
Josef: Ja Maria, so wie zu Haus in Nazareth.
Maria: Ach ich wünschte wir wären dort geblieben.
Josef: Aber das ging doch nicht. Der Kaiser Augustus hatte doch befohlen,
           dass jeder in seinen Geburtsort zurückkehren müsse, damit alle
           registriert werden.
Maria: Was hat er sich dabei wohl gedacht.
Josef: Na, was wird er gedacht haben. Er, der Kaiser, wird Geld brauchen.
            Deshalb will er wissen, wie viele Untertanen er hat, von denen er
            Steuern verlangen kann.
Maria: Aber jetzt verdienst du ja gar nichts. Zuhause hättest du wenigstens
            weiter als Zimmermann arbeiten können. Wir hätten unser
            Auskommen und könnten die Steuern zahlen. Jetzt haben wir gar
            nichts. (Sie zeigt auf die Tasche) Sogar unser Proviant ist
            aufgebraucht.
Josef: Der Herr wird uns schon helfen. Er hat uns auf dem ganzen Weg
            beschützt.
Maria: Sieh, Josef, dort. Dort sehe ich Häuser. Ob das Bethlehem ist?
Josef: Ja, ja, dort ist mein Heimatort. Jetzt sind wir gleich da. Dann kannst
            du dich ausruhen, Maria.
Ende 1. Szene
(Josef u. Maria klopfen an einer Tür)
Wirt 1(ungehalten): Wer da?
Josef: Wir suchen eine Herberge.
Wirt 1: Da hättet ihr früher kommen müssen. Hier ist nichts mehr frei.
Josef: Aber bitte – habt ihr nicht doch noch ein Bett für uns. Eine kleine
             Kammer würde uns reichen.
Wirt 1: Nein! (Er schlägt Josef die Tür vor der Nase zu, dreht sich zum
             Publikum und brüllt:) Habenichte und Taugenichte sind das. Für
             solche Leute schaffe ich doch keinen Platz. Nee, nee. So wie die
            aussehen, können die sowieso nicht zahlen und ich bleibe auf den
            Kosten sitzen. Nassauer, sage ich Ihnen, Nassauer sind das. Die
           wollen sich auf meine Kosten einen lauen Lenz machen. Die
           würden Sie doch auch nicht reinlassen, oder? Nee, nee- mit mir
           nicht, sage ich Ihnen, mit mir nicht. (Er dreht sich um und geht
           weg.)
Währenddessen gehen Maria u. Josef weiter. Immer noch auf der Suche nach
einer anderen Herberge. Sie finden eine und klopfen an. Keine Reaktion. Sie
klopfen nochmal. Dieses Mal energischer.
Wirt 2: Ja, ja ich komme ja schon. (Er öffnet die Tür und mustert die
Besucher.) Was wollt ihr?
Josef: Wir suchen ein Quartier für eine Nacht.
Wirt 2: Hier ist nichts frei. (Versucht die Tür zu schließen. Aber Josef stellt
            sich davor.)
Josef: Bitte, wir kommen aus Nazareth und sind schon so lange
             unterwegs. Habt ihr keinen Strohsack im Haus? Das würde uns reichen.
Wirt 2 (schiebt Josef unsanft beiseite): Nein, habe ich nicht. Raus. Und gute
            Nacht. (Er schließt die Tür und spricht zum Publikum): Strohsack!
           Was denken die denn, wo sie hier sind? Selbstverständlich hätte ich
           noch was frei. Ich habe ein großes Haus. Es ist sauber und
            ordentlich. So richtig was für die bessere Gesellschaft, verstehen
           Sie? Die hätten Sie doch auch nicht reingelassen, oder? So was wie
           die hat mir gerade noch gefehlt. Ein Bett für eine Nacht, phh. So
           wie die aussehen, haben die Wanzen und Flöhe dabei. Danach kann
            ich dann das Zimmer – womöglich auch das ganze Haus
            ausräuchern. Da warte ich doch lieber auf saubere Gäste.
Wieder haben Josef und Maria eine Runde gedreht.
Wirtin 3 tritt vor und kippt einen Eimer Wasser aus. Sie bleibt vor der Tür stehen
und schaut überwältigt in den Himmel.
Wirtin 3: Wie dunkel es ist. Kein Mond, keine Sterne. Was für eine Nacht,
               die Gott heute werden lässt. Es ist stiller als sonst. Ich kann es nicht
               deuten aber irgendetwas ist anders.
Maria: Schau Josef, dort ist noch eine Herberge. Lass es mich versuchen.
(Sie treffen auf die Wirtin.)
Wirtin 3: Was kann ich für euch tun?
Maria: Wir sind auf der Suche nach einer Unterkunft.
Wirtin 3: Bist du schwanger?
Maria: Ja. Und ich glaube, das Kind kommt heute Nacht. Habt ihr einen
           Platz für uns? Wir müssen uns ausruhen. Seit Tagen sind wir
            unterwegs, weil der Kaiser es so bestimmt hat. Jetzt sind wir nur noch müde.
Wirtin 3: Ach mein liebes Kind. Nein, ich habe nichts mehr frei. Es tut mir
            leid. Selbst der letzte Strohsack ist besetzt. Ich bin bis unters Dach
            ausgelastet. So wie ihr sind viele Menschen nach Bethlehem
            gekommen. Ich fürchte, ihr werdet in der ganzen Stadt kein Zimmer
            finden. --Aber… aber wartet. Da fällt mir ein, dass ich vor der Stadt
           noch einen Stall habe. Dort sind zwar unsere Kühe und Schafe
           untergebracht aber es ist trocken und warm und ihr seid geschützt.
           Wenn ihr damit Vorlieb nehmen wollt, dann könnt ihr dort nächtigen.
Josef (erleichtert): Gott segne euch. Das Angebot nehmen wir zu gern an.
Wirtin 3: Dann hole ich noch schnell ein Licht für euch und etwas zu Essen
               und Trinken, damit ihr euch ein Nachtmahl zubereiten könnt. Eine   Decke gebe  ich   euch auch mit. (Er eilt davon.)
Ende 2. Szene
Zwei Hirten stützen sich gelangweilt auf ihren Stöcken ab.
Hirte 1(gähnend): Ich wollt ich wär ein Huhn..
Hirte 2: Ich hätt nicht viel zu tun…
Hirte 1: Ich legte jeden Tag ein Ei und sonntags hätt ich frei.
Hirte 3 (kommt dazu): Alles ist ruhig. Ich glaube, das wird eine ruhige Nacht.
Hirte 1: Das hoffe ich doch wohl.
Hirte 2: Na, dann können wir uns doch alle schlafen legen.
Hirte 3: Bist du narrisch? Wenn der Wolf erstmal zuschlägt, dann ist es zu
              spät um einzugreifen. Was glaubst du, was unser Herr mit uns
             macht, wenn seine Schafe gerissen wurden und wir müssen sagen:
             Wir haben geschlafen. Man könnte meinen, du hältst zum ersten
            Mal Wache. Aber schlaft ihr nur. Ich passe schon auf.
Hirte 1 (schnell): Okay. (Er legt sich und wickelt sich in seine Decke ein.)
Hirte 2 (zögert): Meinst du wirklich? (schaut in den Himmel) Ich weiß nicht. Es
             ist eine eigenartige Nacht heute. – Ich bleibe auch wach. Wer weiß,
              was sich bei dieser Dunkelheit so raustraut.
Hirte 3 schaut zum Himmel und nickt zustimmend. Hirte 1 schnarcht laut.
Unvermittelt taucht ein Engel auf. Die Hirten erschrecken sich. Hirte 1 springt
auf.
Engel: Ihr Hirten, Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine
Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllen wird:
Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren
wurde, der versprochene Retter zur Welt gekommen. Es ist
Christus, der Sohn Gottes. Und daran werdet ihr ihn erkennen:
Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe!
Geht hin und begrüßt den Heiland.
Der Engel verschwindet wieder. Die Hirten sind verunsichert.
Hirte 1: Was war das?
Hirte 3: (reibt sich die Augen): Ich glaube, ich habe einen Engel gesehen.
Hirte 2: Ich habe ihn zuerst gesehen.
Hirte 1 (staunt): Ich kann es nicht glauben.
Hirte 2: Was hat er gesagt?
Hirte 3: Wir sollen ein Kind suchen, hat er gesagt, das soll in einer
               Krippe liegen, hat er gesagt. Das Kind soll das ganze Volk mit
               Freude erfüllen, hat er gesagt. Er soll unser Heiland sein, hat er gesagt.
Hirte 1 (staunt): Das hat er alles gesagt?
Hirte 2: Ja, und dass das Kind Gottes Sohn sei.
Hirte 1 (staunt): Das hat er auch noch gesagt?
Hirte 2 (ungeduldig): Ja, und das du mich zu ihm tragen sollst.
Hirte 1 (staunt- wacht auf): Nein, das hat er nicht gesagt.
Hirte 3: Na also, hast du ja doch alles selber gehört. Was fragst du
             dann immer noch. Nun kommt und lasst uns das Kind suchen.
Hirte 1: Aber wie werden wir es finden?
Hirte 2: Ich glaube der helle Stern dort am Himmel wird uns den Weg
              zeigen.
Hirte 1: Aber was machen wir mit den Schafen. Die können wir doch
              hier nicht allein lassen.
Hirte 3: Doch, das denke ich schon. Was soll ihnen schon geschehen in
              einer solchen Nacht, in der ein Engel erscheint um uns
             einfachen Hirten zu verkünden, dass der Retter der Welt
             geboren ist. Da wird niemandem ein Leid geschehen.
Hirte 2 (frohlockend): Und ich habe den Engel als Erster gesehen.
Ende 3. Szene